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Tipps von deinem eigenen Buch


 

Wenn Bücher sprechen könnten, würden sie dir ungefähr das sagen.



Ach, Leute, ich wende mich an euch in eigener Sache, aber auch im Namen aller anderen ungeschriebenen Bücher. Wir verfolgen schon einige Zeit, wie ihr mit uns schwanger geht und wie liebevoll ihr euch schon jetzt um uns sorgt, danke gleich einmal dafür.


Aber es kommt uns vor, dass ihr ein bisschen überängstlich seid, ob ihr mit uns zurechtkommen werdet oder nicht. Deshalb haben wir uns gedacht, wir erzählen euch ein bisschen, wie wir das sehen.

Da ist, allem voran, einmal diese Grübelei, als was wir auf die Welt kommen werden. Es tut uns so leid, dass ihr damit ein solches Quirx habt, weil eigentlich ist es ganz einfach. Grob gesagt, habt ihr nur zwei Möglichkeiten: Entweder wir werden ein Roman oder ein Sachbuch. Das ist die erste Entscheidung, die zu treffen ist.

Ob unser Lebensinhalt dann zu einem pädagogischen Kinderbuch taugt, oder sich eher zu einer Horrorgeschichte entwickelt, werden wir schon sehen, wenn es in der Planung vorgesehen ist, vermutlich in der achten, zehnten Woche. Die Schwangerschaft dauert nicht zuletzt deshalb so lange, damit in die Richtung alles gut vorbereitet werden kann.


Außerdem sehen wir, wie ihr euch den Kopf darüber zerbrecht, wie wir heißen könnten. Natürlich will jede Buchmutter, jeder Buchvater einen ganz besonderen Namen aussuchen, einen, der noch nie da war. Immerhin sind wir eure Babys. Aber ganz ehrlich? Ein Arbeitsname genügt vorerst völlig.


Und bitte reibt euch nicht daran auf, wie wir aussehen sollen, das ergibt sich bei uns ganz zuletzt. Anders als bei euch Menschen bestimmt das bei uns Büchern die Geburtenstation, bei uns heißt die Verlag. Dort packt man uns in den genau zu uns passenden Umschlag, weil dort die Fachleute wissen, was den Menschen gefällt. Sie machen uns so schön, dass man uns euch regelrecht aus den Händen reißen wird. Aber so weit sind wir noch nicht.


Wisst ihr, was das Schlimmste ist? Wir erleben immer wieder, wie ihr euch mit eurer Aufgabe als angehende Eltern quält, ja widersprecht nicht, es erscheint uns als Qual. Was um Guttenbergs willen sollen denn diese Zweifel? Ihr wollt uns, das spüren wir doch. Ihr sehnt euch nach uns, das wissen wir aus euren Träumen. Jetzt sind wir im Entstehen, da kann man sich doch auch einmal freuen. Also wir, das kann ich euch sagen, wir freuen uns die ganze Zeit, dass ihr uns auf die Welt holt. Deshalb bitten wir euch: Werft die Angst weg und pfeift auf die Zweifel.

Fürchtet euch nicht jetzt schon, dass irgendwas mit uns nicht in Ordnung sein könnte. Dass ihr irgendwas falsch macht. Dass euer Werk nicht Hand und Fuß haben wird. Ihr habt uns als Idee gezeugt, jetzt sind wir am Wachsen, unaufhaltsam. Langsam kommt Leben in uns, irgendwann spürt ihr, dass wir uns bewegen und ein gewisses Eigenleben entwickeln.


Apropos entwickeln. Viele von euch wollen unbedingt einen Entwicklungsroman aus uns machen. Nur keine Sorge, das ergibt sich automatisch. Wir alle sind Entwicklungsromane, ebenso wie wir alle Familiengeschichten sind. Dafür sorgen unsere Protagonisten auf ihren Heldenreisen, in denen Familien immer in irgendeiner Form eine Rolle spielen.


Ihr verbergt es zwar ganz gut vor uns, aber glaubt nicht, dass wir nicht mitkriegen, welche Angst ihr habt, dass wir vielleicht nicht genug Kraft haben werden, uns in der Welt durchzusetzen. Pah, sag ich da nur. Eure Fantasie nährt uns bestens, und vergesst nicht, wir haben eure Gene geerbt. Es sind eure Gedanken, die in uns lebendig werden.


Sicher, es erwartet uns einiges da draußen. All die vielen anderen Bücher, die auch nichts anderes wollen als wir, nämlich von aller Welt geliebt zu werden. Einige haben berühmte Eltern, die tun sich von vornherein leichter. Aber hey, wir sind alle etwas Besonderes. Allein eure Vorstellung von uns macht uns zu etwas Einzigartigem. Und wir werden euch ewig dankbar sein, dass es uns gibt.


Also. Schluss jetzt mit den Sorgen und Ängsten. Ihr habt das Zeug, uns in die Welt zu setzen, wir spüren es in jedem Buchstaben. Ihr habt die Power, uns groß zu ziehen, ganz groß. Wir werden euch nach Kräften helfen, gute Bücher machen das so. Wir glauben an euch, und zwischen den Zeilen gesagt: Wir sind mächtig stolz auf euch.


 

Dein künftiges Buch hat gesprochen.

Jetzt liegt es an dir, es auch zu gebären.

Was du dabei auf jeden Fall vermeiden solltest, kannst du hier nachlesen: In dem Guide durch die sieben gravierendsten Fehler beim Buchschreiben.


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