Der Pawlowsche Schreibreflex


Fallen euch tausend Ausreden ein, wo ihr doch nur einen einzigen Satz braucht? Habt ihr Schwierigkeiten, euch zum Schreiben aufzuraffen? Habt ihr Mühe, von der Couch aufzustehen und euch an den Schreibtisch zu setzen?

Wenn ihr alle drei Fragen mit Genau, Puh oder Scheiße, ja! beantwortet, solltet ihr weiterlesen.

Der Mann, der euch helfen kann, heißt Iwan Pawlow. Könnte sein, dass da jetzt was klingelt bei euch. Wenn ja, habt ihr in der Schule aufgepasst. Pawlow war der russische Wissenschaftler, der immer eine Glocke anschlug, wenn er seine Laborhunde fütterte.

Das Ergebnis nennt man den Pawlowsche Reflex: Die Hunde mussten das Futter bald gar nicht mehr sehen, sie begannen schon zu sabbern, wenn die Glocke bloß anschlug.


Und? Was hat das mit dem Schreiben zu tun, höre ich euch jetzt fragen. Sollen wir jedes Mal, wenn wir uns nicht motivieren können, mit irgendetwas bimmeln, und schon hackt unser Hund in die Tastatur?

Wenn ihr so einen Hund habt, pfeift aufs Schreiben und lasst den Hund auftreten.


Der Pawlowsche Reflex funktioniert auch bei Menschen. So steht es nicht nur als Vermutung hier, man kann es in einer der renommiertesten Fachzeitschriften der wissenschaftlichen Welt, im Science, nachlesen, angeblich in Band 301 auf Seite 1104, wer’s ganz genau wissen will.

Die Wissenschaftler, es waren übrigens Briten, hatten Iwans Experiment für die Zweibeiner etwas abgewandelt. Sie zeigten ihren Testpersonen ein abstraktes Bild und verströmten dazu jede Menge Vanilleduft. Nach kurzer Zeit rochen die Probanden beim Anblick des Bildes die Vanille auch dann schon, wenn gar keine versprüht wurde. Und sie bekamen Appetit auf Vanille. Das Ganze funktionierte auch bestens mit Erdnussbutter.

Man nennt das einen bedingten Reflex, für den der Russe damals übrigens den Nobelpreis bekam.

Was? Sabbern wir uns dann jedes Mal die Tastatur voll, höre ich euch jetzt fragen.

Nein, keine Sorge, und wenn, dann kann der Pawlow nix dafür.

Bei den Menschen zeigte sich der Reflex im Versuch nicht am Speichelfluss, er wurde anhand der Gehirnaktivität gemessen. Es hat irgendwas mit der Großhirnrinde zu tun.

Soweit das theoretische Futter. Es lässt sich leicht in die Praxis umlegen.

  • Sucht euch eure Klingel. Das kann ein Tee sein, den ihr euch nur zum Schreiben macht. Oder eine bestimmte Musik. Bei mir ist es Vivaldi, bei Thomas, der oft in der Früh schreibt, ist es der Wecker.

  • Verbindet eure Klingel mit dem Schreiben. Trinkt den Tee immer, wenn ihr euch an den Computer setzt. Spielt die Musik immer, wenn ihr am Schreiben seid.

  • Der Rest passiert von selbst. Nach einiger Zeit löst der Duft des Schreib-Tees den Reflex aus, euch an euren Text zu setzen. Die Schreib-Musik zieht euch wie ein Magnet an den Computer.

  • Naja, vielleicht nicht wie ein Magnet, um bei der Wahrheit zu bleiben. Aber sie tanzt euch in der Hirnrinde herum und flüstert: Schreib, schreib, schreib. Ich kann Vivaldi nicht mehr hören, ohne zu sabbern, geistig.


Kleiner Tipp am Schluss: Von der Vanille raten wir eher ab, vor allem in Form von Kipferl.

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