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Die anderen schreiben alle besser als ich.

Ein Autor über Selbstzweifel beim Schreiben.


 

Das habe ich mir gedacht: Dass sich die Kollegen mit dem Thema nicht die Finger schmutzig machen werden. Und mir den Text abgeben. Weil ich der Neue bin. Und die anderen sind schon ein paar Jahre länger im Team. Naja. Der Auftrag war für meine Schreib-Selbstzweifel ein Sektfrühstück mit Kaviar. Aber wenn ich das Thema schon persönlich nehme, was ich als Blogger eigentlich auch muss, ist es gar nicht so weit hergeholt. Denn dass alle anderen besser schreiben können, denke ich mir nämlich die ganze Zeit. Und das seit mehr als zwanzig Jahren.



Damals, als ich als Frisch-G‘studierter in einer Redaktion angefangen und damit begonnen habe Texte abzuliefern, hat mir natürlich noch vieles gefehlt. Meine Texte waren zu trocken. Da hat der Lesefluss nicht immer richtig geflutscht. Ich habe noch viel dazulernen müssen. Hat gedauert, Verbesserungen erfolgen eben nur in kleinen Schritten, und es ist unmöglich, eine Abkürzung zu nehmen.


Als mich dann eine Freundin angesprochen hat, dass ich so schöne Texte schreibe, da habe ich gewusst, jetzt kann ich es. Sie hatte eine tolle Idee und wollte mit mir gleich ein Buch schreiben. Wir hatten schon einen ebenso tollen Titel, haben uns oft zusammengesetzt und diskutiert. Aber ein Buch schreiben? So richtig mit der Entwicklung der Charaktere, einer spannenden Geschichte – und das auf mindestens 350 Seiten – ein Buch und eben kein Büchlein. Ein richtiges Projekt. Das hätte ein, zwei oder gar drei Jahre lang gedauert. Irgendwann haben wir eingesehen, dass wir beide viel zu viel arbeiten müssen und sich das Projekt einfach aus Zeitmangel nicht ausgeht. Eine schöne Ausrede


Ich habe schon viele Bücher gelesen. Und mir oft gedacht: So kann ich auch schreiben. Aber kann ich das wirklich?


Zehn Jahre später hatte ich eine Idee. Und sie war nicht mehr aus meinem Kopf rauszubringen. Die hat ständig geklopft und gesagt: Schreib mich in ein Buch! Natürlich habe ich anfangs auch versucht, Ausreden zu finden. Ich muss so viele Artikel schreiben und habe keine Zeit. Dann habe ich mir sogar gedacht: Vielleicht hat irgendjemand anderer meine Idee. Dann muss ich das Projekt nicht mehr selbst machen. Wie ein Fußballer, dessen Team 0:1 hinten liegt. Und der sich denkt: Macht jetzt endlich das 0:2, dann brauchen wir dem Ausgleich nicht mehr nachzulaufen. Es hat zwei Jahre gedauert, bis ich aufgehört habe, nach neuen Büchern, die vielleicht mein Thema schon behandelt haben, zu suchen.


Dann kam der große Ruck. Ich weiß nicht mehr, was genau der Auslöser dafür war. Vielleicht war es doch schon die aufkommende Panik, falls doch irgendwer meine Idee in ein Buch geschrieben hatte. Und die hat meine Selbstzweifel, ob ich überhaupt ein Buch schreiben kann, fürs erste verdrängt.


Also habe ich mich mit meinem alten Laptop hingesetzt und habe mit dem Schreiben begonnen. Ich habe gewusst, wie meine Geschichte ablaufen soll. Das habe ich mir schon in unzähligen Nächten vor dem Einschlafen ausgemalt. Trotzdem glaube ich nicht, dass ich ein klassischer Plotter bin, der, bevor er den ersten Satz in ein leeres Word-Doc schreibt, die ganze Geschichte schon fertig im Kopf hat. Weil mir beim Schreiben so viele Ideen noch gekommen sind, die der Geschichte den einen oder anderen Twist gegeben haben, den ich eigentlich gar nicht auf dem Plan hatte.


Tipp: Es hat natürlich seinen Sinn, dass die Planungs-, Schreib- und Überarbeitungsebene getrennt werden. Steht einmal der Plan, dann schreib die Geschichte einmal runter. Überarbeitet wird der Text erst zum Schluss.


Also habe ich geschrieben und geschrieben. War glücklich, dass ich es endlich angegangen bin. Dass ich an einem Projekt nur für mich allein arbeite. Das war spannend.


Irgendwann hat mich der Selbstzweifel aber wieder erwischt. Ich weiß nicht, ob es genau nach den oft zitierten 80 Seiten war, nach denen angeblich alles in Frage gestellt wird. Mitten unter dem Schreiben habe ich mir gedacht: Was mache ich da eigentlich? Ich sitze die ganze Zeit vor meinem Computer und schreibe eine Geschichte, von der ich nicht weiß, ob sie irgendjemand lesen möchte? Ich weiß nicht einmal, ob jemand meine Idee so toll findet, wie ich.


Tipp: Gerade das erste Buch ist ein zartes Pflänzlein. Sitzt du nur allein davor, wird es nicht so recht gedeihen. Suche dir jemanden vom Fach, von dem du dir eine ehrliche, aber wertschätzende Rückmeldung versprichst. Wenn den Auserwählten dein Intro oder das erste Kapitel – oder was auch immer du ihnen zum Lesen gibst – gefällt, wird das Pflänzlein einen regelrechten Wachstumsschub erleben.


Dann bin ich zu einem Punkt gekommen, an dem mir der weitere Ablauf nicht mehr zu hundert Prozent gefallen hat. Ich habe überlegt und gegrübelt. Habe dreimal ein ganzes Kapitel gelöscht. Und dann noch immer nicht so recht gewusst wie weiter. Auch waren mittlerweile so viele Twists und Änderungen in meinem Text, dass ich, ehrlich gesagt, den Überblick verloren hatte. Und jetzt?


Tipp: Suche dir im Internet Bilder. Angefangen mit deinem Protagonisten oder deiner Protagonistin, bis hin zu jeder Szene, die in deinem Buch vorkommt. Die Bilder kannst du schön im InDesign auf eine Seite zusammenkopieren – es geht aber auch einfach im Word. Drucke und schneide sie aus und hänge sie, wie eine Bravo-Fotolovestory, an eine Pinnwand. So verlierst du garantiert nicht den Überblick. Das hat mir sehr geholfen.


Dann war alles einmal niedergeschrieben. Damit hat die eigentliche Arbeit aber erst begonnen. Das Schreiben war die Kür, das Überarbeiten die Pflicht. Dabei hilft übrigens der Selbstzweifel, weil man jeden Satz so oft umdreht, bis er wirklich passt. Und das kann mühsam sein. Aber es ist übrigens nicht überliefert, wie lange die großen Schriftsteller an ihren Texten feilen.


Dann war das Buch fertig. Und allein der Moment, in dem ich das erste Exemplar im Verlag in der Hand gehalten habe, hat mich für alle Mühen entschädigt. Da steht mein Name am Cover, da ist meine Geschichte drin. Und die habe ich geschrieben. Ich habe es geschafft.


Wenn ich jetzt jemandem begegne, der es gelesen hat, werde ich immer gleich gefragt: „Wann kommt das Zweite?“ Und dann denke ich immer: Ich habe zwar den einen oder anderen Kniff durch das Schreiben meines Erstlings gelernt, ob ich aber ein zweites auch so hinbekomme, weiß ich nicht. Da ist er wieder da. Der Selbstzweifel.


 

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