Kömma das Komma üben?


In unseren Seminaren hören wir immer wieder:

Also, Beistriche, nein, das ist nix für mich.

Ich hab’s so oft probiert mit den Beistrichen, das wird nix.

Beistriche? Keine Ahnung.

Geh, wer braucht schon Beistriche.

Naja, sagen wir dann, manchmal entscheidet ein Beistrich über Leben und Tod.


Stell dir einmal vor, du stehst am Galgen, den Strick schon um den Hals. Im letzten Moment hörst du Pferdehufe, ein Bote des Königs prescht heran, eine Depesche in der Hand, in der steht:

Wartet nicht hängen

Der Henker kennt sich nicht aus.

Also was jetzt?

Wartet nicht, hängen

Oder:

Wartet, nicht hängen

Du kannst sicher sein, in dem Augenblick interessiert dich ein Beistrich mehr als alles andere.


Deine Leser haben zwar keinen Strick um den Hals, aber ganz egal sind ihnen deine Beistriche auch nicht. Setzt du sie richtig, versteht man deine Texte sehr viel leichter. Beistriche sind so etwas wie deine Regieanweisungen im Text.

Verwendest du sie falsch, schickst du die Leser in die Irre.


Beispiel:

Annas Computer funktionierte nicht, ohne Nachdenken hat sie ihn verkauft.

Annas Computer funktionierte, nicht ohne Nachdenken hat sie ihn verkauft.

Die erste Anna ist ganz schön abgedreht, die zweite Anna eine ehrliche Haut. Ein falsch gesetzter Beistrich macht aus einem anständigen, umsichtigen Charakter einen impulsiven, skrupellosen.


Blöd aber auch, nicht? Jetzt hat es vielleicht ja doch einen Sinn, sich mit diesen Beistrichen anzufreunden.

Möglicherweise hilft es dir, dass die Rechtschreibreformen von 54 Kommaregeln nur zehn übriggelassen haben. Wenn du die alten Regeln noch kennst oder die Beistrich-Setzung im Gefühl hast, darfst du zwar immer noch mehr als diese verbliebenen zehn Kommas machen, um die aber kommst du nicht herum.


Hier sind sie, die Top 10 der Beistrich-Regeln, die deine Texte klarer, strukturierter, verständlicher, übersichtlicher und rhythmischer, also einfach professioneller machen.

Allem voran: Grundsätzlich kannst du auf dich selbst hören. Beistriche setzt man nämlich genau dort, wo man auch beim Sprechen eine Pause macht.


1) bei Aufzählungen Wenn du einzelne Worte aneinanderreihst, nicht aber vor dem letzten und / oder: Ein Beistrich ist ein armes, verschmähtes und verkanntes Satzzeichen. Man setzt Punkte, etwas sanfter trennende Strichpunkte oder eben Beistriche.

Wenn du Satzreihen aneinanderreihst: Die Autoren waren stets auf der Suche nach einer Beistrich-Regel, kramten in ihren Hirnen herum und fanden keine einleuchtenden.


2) zwischen Hauptsätzen Wenn du zwei Hauptsätze verbindest: Manche liebten Beistriche, manche hassten sie.

Wenn du einen Hauptsatz einfügst: Bei Romanen, sie sind die Königsdisziplin beim Schreiben, achteten die Autoren etwas mehr auf die Beistriche.


Wenn du zwei Hauptsätze mit und / oder verbindest, ist dir der Beistrich freigestellt, wir raten trotzdem dazu:

Jetzt gibt es eh nur noch zehn Regeln, und die Autoren stellen sich immer noch so an.


3) zwischen Haupt- und Nebensätzen

Wenn du Nebensätze mit als, dass, damit, nachdem, um, ohne, bevor, wenn etc. einleitest:

Nachdem die Autoren den Beistrich gesetzt hatten, sagte ihnen eine innere Stimme, dass er nicht hierhergehöre. Als sie ihn weglöschten, dachten sie: Werden wir es irgendwann können, ohne von einer Stimme abhängig zu sein?


Wenn du Begründungssätze mit weil, deshalb, also, damit etc. einleitest:

Beistrich-Regeln hat jemand erfunden, um Autoren zu quälen. Sie von ihren Gedanken abzulenken, damit ihnen der rote Faden reißt. Weil ihm das nicht bei allen gelang, hat er Rechtschreibreformen angezettelt. Deshalb sollten wir ihn stoppen, bevor er noch mehr anrichten kann. Wenn wir das nicht schaffen, erfindet er weitere Regeln. Das können wir nicht zulassen, also weg mit ihm.


Wenn du indirekte Fragesätze mit ob, warum, wann, wo, wofür, wie etc. einleitest:

Wir müssen uns nicht mehr fragen, ob wir gegen den Beistrich-Erfinder vorgehen. Wir wissen, warum und wofür wir es tun. Wir müssen nur noch festlegen, wann und wo wir ihm auflauern. Die Frage ist vor allem, wie wir ihn ruhigstellen.

Wenn du einen Attributsatz in einen Hauptsatz einfügst:

Der Beistrich-Erfinder, der bald Geschichte sein wird, ahnte nichts Böses. Den Autoren, die ihm an den Kragen wollten, war das sehr recht.


Wenn du Satzteile mit sogenannten anreihenden Konjunktionen wie einerseits – andererseits, teils – teils, je – desto, halb – halb, nicht nur – sondern auch verbindest:

Halb waren die Autoren für den Plan, halb zögerten sie noch. Teils machten ihnen Beistriche wirklich zu schaffen, teils sahen sie schon ihre Notwendigkeit ein. Einerseits wollten sie nichts lieber, als den Beistrich-Erfinder dranzukriegen, andererseits war das schon auch ein Aufwand. Es ging ja nicht nur um einen Plan, sondern auch um die Ausführung. Je mehr sie darüber andachten, desto mehr kamen sie von der Idee ab.


4) bei Vergleichen:

Wenn du Vergleichssätze mit als oder wie einleitest:

Beistriche sind gar nicht so furchtbar, wie wir dachten, sagten schließlich einige der Autoren. Lassen wir den Beistrich-Erfinder in Ruhe, er bekommt durch unseren Plan nur mehr Aufmerksamkeit, als ihm zusteht.


Keinen Beistrich brauchst du, wenn du den Vergleich innerhalb des Satz ziehst, also keinen Nebensatz, kein Zeitwort dazu brauchst:

Also blieb alles wie vorher. Naja, fast: Die Autoren mochten Beistriche nun lieber als früher.


5) bei Hauptsätzen mit Nennformen:

Wenn du sogenannte erweiterte Infinitivgruppen verwendest:

Die Autoren bemühten sich immer öfter, ihre Beistriche richtig zu setzen.


Wenn du einen einfachen Infinitiv verwendest, auf den mit es hingewiesen wird:

Es gelang den Autoren, zu schreiben.


Keinen Beistrich brauchst du, wenn du nur einen einfachen Infinitiv verwendest:

Der Beistrich-Erfinder freute sich zu leben.


6) zwischen Haupt- und Beisätzen:

Wenn du sogenannte Appositionen einfügst:

Der Beistrich-Erfinder, ein Griesgram, war aber auch etwas beleidigt. Die Autoren, vom Plan befreit, hatten ihn einfach vergessen. Das Komma, einst so verhasst, wuchs ihnen zunehmend ans Herz.


7) zwischen Hauptsätzen und vom Zeitwort abgeleiteten Eigenschaftsworten:

Wenn du sogenannte erweiterte Partizipialgruppen verwendest:

Die Autoren, vorm Beistrich immer noch zitternd, begannen ihn zu verstehen.


Keinen Beistrich brauchst du, wenn der Satz damit anfängt, wir raten trotzdem dazu:

Vom Ehrgeiz getrieben, perfektionierten sie ihren Umgang mit den Beistrichen.


8) vor widersprechenden Bindewörtern:

Wenn du sogenannte entgegengesetzte Konjunktionen, also Nebensätze mit aber, sondern, doch, vielmehr etc. einleitest:

Die Autoren bemühten sich, aber sie machten Fehler. Sie ließen sich nicht entmutigen, sondern strengten sich noch mehr an. Sie wollten nicht aufgeben, vielmehr waren sie überzeugt, den Beistrich zähmen zu können. Ein schwerer, doch befriedigender Weg.


9) vor nachgestellten Zusätzen:

Wenn du etwas am Ende des Satzes klarstellen, bekräftigen oder hervorheben willst:

Der Beistrich lebte auf, und wie auch noch. Er genoss die ungekannte Zuwendung, jawoll. Und er hatte nicht vor, sich je wieder so ignorieren zu lassen, nein, nie wieder.


10) bei Anreden, Aus- und Zwischenrufen und Datumsangaben:

Wenn du jemanden direkt ansprichst:

Lieber Autor, hier gehört ein Beistrich. Bitte, lieber Beistrich, verzeih mir.


Wenn du Empfindungen ausdrücken willst:

Oje, schon wieder vergessen. Aua, das tut weh. Verflixt, ich lerne das nie.


Wenn du ein Datum verwendest:

Ab Dienstag, den 10. Dezember, werde ich nie wieder einen Beistrich vergessen.

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